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FLO Vintage – ein Wiener Original

Ingrid Raab lebt für die Mode, genauer gesagt für die Vintage-Mode. Die Inhaberin von FLO Vintage bietet in ihrem Geschäft in der Schleifmühlgasse außergewöhnliche Kleidung, Accessoires und Modeschmuck aus den Jahren 1880 bis 1980 an.

Ihre Leidenschaft für die Welt der Mode hat Ingrid Raab schon als Kind von ihrer Mutter mitbekommen. Es dauerte allerdings noch einige Jahre, in denen sie als Journalistin für den ORF tätig war, bis sie ihr Hobby auch zum Beruf machte. 1978 gründete sie ihr erstes Mode-Geschäft in der Penzinger Straße. „Das Geschäft war in der Nähe des Reinhardt Seminars und meine ersten Kunden waren dann die Jungschauspielerinnen und
-schauspieler“, erinnert sie sich. Seit 1981 residiert die Grand Dame der Vintage-Mode jetzt im Freihausviertel. Neben ihrem Geschäftslokal hat sie einen riesigen Fundus angemietet, in dem über 5.000 Stücke darauf warten, ins Sortiment von FLO Vintage aufgenommen zu werden. Wenn man mit Ingrid Raab über ihren Beruf und Mode im Allgemeinen spricht, spürt man ihre Begeisterung sofort. Sie gilt als wandelndes Mode-Lexikon mit einer besonderen Vorliebe für den in Österreich fast vergessenen Designer Rudi Gernreich. Wir sprechen mit ihr über ihr Lieblingsstück, den Unterschied zwischen Second Hand und Vintage und warum sie keine Jogginghosen mehr sehen kann. 

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© Claudia Madlener

Was macht Sie zum Wiener Original?

Die Originalität meiner Ware von 1880 bis 1980. In hoher Qualität und zu sehr günstigen Preisen. Das ist eine einmalige Sache. Außerdem mache ich das über 42 Jahre und bin daher eine anerkannte Pionierin für Vintage-Mode. Bei meinem Beginn 1978 hat es das Wort „Vintage“ für die Kleidung noch nicht gegeben. Der Begriff hat es erst vor ungefähr 15 Jahren in die Modesprache geschafft. Ursprünglich stammt das Wort aus dem Wein-Bereich und bedeutet „erlesene Jahrgänge“. Das passt natürlich perfekt zur Mode. Der Begriff Vintage steht also für hochwertige Second Hand Ware.

Was ist jetzt genau der Unterschied zwischen Vintage und Second Hand?

Ich vermeide das Wort Second Hand für meine Stücke. Man könnte sagen, Vintage-Mode ist wie eine Antiquität und Second Hand wie Altwaren. Wir sind die Antiquitäten. (lacht)

Wie sind sie auf die Idee gekommen, ein eigenes Vintage-Geschäft zu eröffnen?

Ich war früher ORF-Journalistin und bin dann ins kalte Wasser der Modewelt gesprungen. Bei Dreharbeiten im Ausland ist mir immer aufgefallen, dass es dort so kleine, liebe Geschäfte mit antiker Kleidung aus den 20er- und 30er-Jahren gibt. Und ich habe mir gedacht: Wieso gibt’s das nicht in Wien? Dann habe ich das einfach versucht. Ist zum Glück gut gegangen, mittlerweile 42 Jahre lang. (lacht)

Und macht’s nach 42 Jahren noch Spaß?

Meine Leidenschaft für Kleidung und Mode ist ungebrochen. Da habe ich wirklich meine Liebhaberei zum Beruf gemacht. Es macht mir nach wie vor Riesenspaß, weil ich meine kreative Ader ausleben kann. Das merken auch die Leute, das springt auf sie über.

Wer sind Ihre typischen Kundinnen?

Das sind Frauen von 17 bis 70, die eine künstlerische und soziale Einstellung haben und Mode nicht als Wegwerfprodukt betrachten. Gescheite, gute Frauen! (lacht) image
© Claudia Madlener

Was ist Ihr absolutes Lieblingsstück?

Ich besitze seit ein paar Jahren ein Originalkleid aus den 20er-Jahren, das komplett mit Perlen bestickt ist. Entworfen wurde es vom bekannten französischen Designer Jean Patou. Es hat eine für die 20er-Jahre verrückte Farbe, nämlich pink. Für Modeinteressierte ist das ein Wahnsinn! Außerdem habe ich eine eigene Sammlung von meinem Lieblingsdesigner Rudi Gernreich. Kleider, Strümpfe, Tücher. 

Warum ist Rudi Gernreich Ihr Lieblingsdesigner?

Er war ein sehr ungewöhnlicher Designer, der viele inspiriert hat. Er selbst war geprägt von den Wiener Werkstätten und musste als Jude mit seiner Familie 1938 in die USA emigrieren. Rudi Gernreich war großartig. Er hat den Monokini erfunden und den Unisex-Stil geprägt. In den USA ist Gernreich sehr bekannt. In Österreich kennen ihn zwei Drittel der Leute nicht. Das macht mich fertig! (lacht)

Ihr privater Kleiderschrank ist wahrscheinlich ziemlich groß, oder?

Ja! Deshalb habe ich ja den Fundus. Dort habe ich ein eigenes Abteil nur für den Rudi Gernreich.

Welchen heutigen Mode-Trend können Sie überhaupt nicht nachvollziehen?

Den Trend, dass Mode nur zum Wegwerfen produziert wird und bei der Produktion nicht auf die Menschen geachtet wird. Ich hoffe, dass die Pandemie hier ein Umdenken einleitet. Die jungen Menschen haben die Tendenz, nicht mehr bei großen Ketten einzukaufen. Sie beginnen, diese Großkonzerne zu boykottieren. Aber das dauert halt. Wien ist immer anders. Wien braucht für alles länger, so auch für das.

Denken Sie, dass die Pandemie auch den Modestil und Bezug zur Mode ändert?

Ja, alle sitzen im Trainingsanzug herum! (lacht) Was hat schon Lagerfeld gesagt? Wer eine Jogginghose trägt, hat sein Leben nicht mehr im Griff. Jogginghosen und Leggins waren für mich schon immer schrecklich. Ich komme ja noch aus einer Generation, die am Sonntag ihre schönsten Kleider angezogen haben. Also schlimm wäre es, wenn die Jogginghose bleibt. (lacht)

FLO Vintage - Nostalgische Mode
Schleifmühlgasse 15a, 1040 Wien
http://www.flovintage.com

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